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Unos

Vor einigen Jahren trug sich in den heruntergekommenen Randbezirken von Whitehaven ein tragisches Ereignis zu, das Dion niemals vergessen würde.

„Beeil dich, Pelaios, sonst sind die besten Plätze weg!“, rief ein junger Tiefling seinem kleinen Bruder zu. Schnell versuchte der Jüngere Akmenos aufzuholen. Doch als er merkte, dass dies kein Leichtes war, beschloss er eine Abkürzung zu nehmen und verschwand in einer dunklen Seitengasse, wo er über Müll und tote Ratten hüpfen musste. Sein vor Aufregung wedelnder Schweif schlug immer wieder gegen die Hauswände in dem engen Durchgang. Er war erst acht Jahre alt und hatte das Ding, das er hinter sich her schleifte noch nicht so unter Kontrolle, wie Akmenos, der fast doppelt so alt war, wie er. Pelaios konnte das helle Licht am anderen Ende schon sehen und als er auf die Straße stolperte, rannte er direkt in eine große Traube von Leuten, die sich hier versammelt hatte. „Auch schon da?“, ertönte es hinter dem kleinen Tiefling mit einem Hauch von Überheblichkeit. „Ich warte hier schon seit Ewigkeiten.“, sagte Akmenos und entblößte seinen scharfen Zähne, als er so tat, als würde er gähnen. Die goldenen Augen des Kleineren stierten wütend in die Roten des anderen. „Tu nicht so, als wärst du schon seit Stunden hier.“, sagte er beleidigt und verschränkte die Arme.
Akmenos grinste nur und wuschelte ihm durch das blutrote Haar. „ Na komm.“ Er lotste ihn in eine Seitenstraße, die genau so verwahrlost war, wie alles im Teufelsdorf.
So nannten die Menschen den Randbezirk, in den die Obrigkeit die anwohnenden Tieflinge vor vielen Jahren verstoßen hatte. Es war ein Ort voller Armut, Krankheit und einer hohen Kriminalitätsrate. Viele nahmen über die Zeit die Verhaltensweisen an, die ihnen zugeschrieben wurden. Warum sich sittlich verhalten, wenn man ohnehin in jedermanns Auge ein Monster war?
Die beiden Jungen kletterten an den grob aufeinander gesetzten Steine eines alten und eher ruinenhaft aussehenden Hauses hoch. Akmenos reichte seinem Bruder die Hand und zog ihn auf das Dach. Dort oben hatten sie die perfekt Sicht auf das, was sich auf der Straße unter ihnen abspielte. Heute war ein besonderer Tag und alle Tieflinge aus dem Teufelsdorf versammelten sich, um der Verlesung der versprochenen Besserungen für den Randbezirk zu lauschen. Der Fürst hatte ihnen versprochen, dass mehr in den Hausbau und in die medizinische Versorgung investiert werden soll.
Auch sollen sie mehr Abgaben der Ernte erhalten und wie jeder in der Stadt normal arbeiten dürfen.


1

Für die Erfüllung dieser Forderungen haben viele Tieflinge gekämpft, aber nie wurde etwas unternommen. Doch heute sollte es soweit sein. Von hier oben hatten die beiden Jungen den perfekten Ausblick auf den Marktplatz. Es ertönte ein Horn und alle Köpfe wandten sich in die Richtung, von wo der Klang herkam. Auf hohen Rössern
mit schönen Decken, auf denen das Emblem des Fürsten in goldenen Lettern aufgestickt war, ritt die Stadtwache, gefolgt von einer Kutsche und einem weiteren dutzend Wachen auf den großen Platz.
Ein stattlicher Soldat mit einer goldenen Rüstung, nahm seinen Helm ab und zog eine Pergamentrolle aus seinem Gürtel. „Seid gegrüßt! Heute ist der Tag aller Tage. Nach vielen Stunden der Beratung und Verhandlung, kam der Fürst nun endlich zu einem Entschluss. Es sollen endlich Taten folgen und Veränderungen in kraft treten.“ Er rollt das Papier zusammen und steckt es wieder weg. Er hebt langsam die Hand, während alle anwesenden gespannt auf die Kutsche blicken und auf das Heraustreten des Beraters warten. „Angriff!“, ruft der Soldat. Von allen Seiten strömen Soldaten in die Straßen und Gassen. Mit schwingenden Schwertern und Lanzen stechen sie auf die nichts ahnenden Tieflinge ein, die mit der Hoffnung auf Besserung hergekommen waren. Es ist ein riesiges Massaker. Alles wehren hilft nichts. Die Veränderungen, die dem Fürsten vorschweben ist die Eliminierung und Ausrottung des Teufelsdorfs. Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, alles was den Soldaten in ihre rot gesprenkelten Klinge läuft, wird ausradiert. Die beiden Jungen auf dem Dach müssen fassungslos dem Szenario, das sich auf den rot gefärbten Straßen abspielt, zusehen. Pelaios kann das nicht verstehen, in ihm breitet sich Leere aus, er fühlt gar nichts. Es scheint alles so unwirklich, dass es nur ein Alptraum sein kann. Doch als Akmenos ihn an seine Brust zieht und fest an sich drückt, dass ihm dieses Bild voll Grauen erspart bleibt, wird ihm klar, dass es sich hierbei um die Realität handelt. Der Fürst hatte sich die Hoffnung der Tieflinge zu nutzen gemacht, um diese schließlich in ihrem Blut zu ertränken. Das Einzige, das Pelaios wahrnahm waren die Schreie und der beißende Gestank von Blut, der sich irgendwann mit Rauch vermischte. Er wollte schreien und weinen, aber er konnte nicht...

Irgendwann wurde es still und die schweren Schritte der Soldaten verrieten, dass sie ihren Auftrag erfüllt hatten und abzogen. Pelaios spürte die warme Hand seines Bruders auf seinem Kopf, wie sie beruhigend durch seine Haare streichelte. „Wir müssen uns ein sicheres Versteck suchen.“, flüsterte er ihm ins Ohr. „Versuch nur mich anzusehen, hörst du?“ Der Kleinere nickte kaum merklich und löste sich aus seinen Armen.

2

Schwach versuchte Akmenos ein Lächeln hervorzubringen und kletterte langsam die Hauswand hinunter. Pelaios wollte ihm wirklich gleich folgen, doch als er sich umdrehte, um seinem Bruder zu folgen, schweifte sein Blick unwillkürlich über das Bild des Grauens. Das Leben hier war nicht immer einfach und schön, aber es war seine Heimat und die hatte man ihm genommen. Schweigend verließ er das Dach und kam neben Akmenos mit gesenktem Blick zum Stehen. Der Größere griff seine Hand und zog ihn durch die Straßen, die hinter dem Marktplatz lagen. Auch hier konnte man die Verwüstung sehen, aber nur halb so schlimm, wie im Zentrum. Er nahm seinen Bruder mit zum äußersten Rand, weit weg von allem. Es gab dort ein sehr altes Haus, dessen Dach kaum mehr vorhanden war, in dem auch seit Ewigkeiten niemand mehr gewohnt hatte. Hier hatten die Jungen immer Räuber gespielt.
„Bleib hier. Ich zieh los und suche etwas zu essen.“, sagte Akmenos, als es schließlich anfing dunkel zu werden. Doch gerade als er gehen wollte, griff Pelaios nach seinem Arm. „Geh nicht weg, bitte!“, flehte er und nun standen ihm zum ersten Mal Tränen in den Augen. Der Ältere seufzte und ging vor ihm in die Hocke. „Hör zu. Stell dir einfach vor, dass du unsere Diebeshöhle beschützen musst, während ich losziehe und neues Diebesgut hole. In Ordnung?“ Aufmunternd lächelte er ihn an und setzte dann sein ernstes Räubergesicht auf. „Dion, pass gut auf unsere Höhle auf!“ Und dann verschwand er. Immer wenn sie spielten, benutzten sie nie ihre richtigen Namen, sondern nannten sich Dion und Kairon. Der rothaarige Junge bemühte sich sehr stark zu sein und so zu tun, als würden sie spielen, aber es wurde kalt und dunkel und Akmenos – Nein, Kairon – war noch immer nicht zurück. Er hatte Angst und weinte.
Er schreckte auf, als er spürte, wie jemand eine Decke auf ihn legte. „Schlaf weiter...“, flüsterte Akmenos, der inzwischen wieder zurück war. Doch Pelaios schüttelte den Kopf und rutschte zu seinem Bruder, wo er sich anlehnte. „Hier, das habe ich gefunden.“, sagte er sanft und hielt ihm einen Ohrring hin, der seiner Mutter gehört hatte. Er griff nach ihm und betrachtete den roten Stein daran.
„Ich hab den anderen. Siehst du?“ Er zeigte ihm seinen und stach ihn sich durch das Ohrläppchen.
„Jetzt haben wir beide etwas, das uns verbindet und auch mit Mutter.“ Pelaios begriff, was das hieß.
Sie waren nun alleine und auf sich gestellt.
Die beiden Jungen blieben im Teufelsdorf in ihrer Ruine ganz am äußersten Stadtrand, wo niemals jemand vorbeikam.

3

Sie bauten sich dort ein eigenes kleines Zuhause auf mit den Dingen, die sie auf der Straße fanden oder aus der Stadt stahlen. Das Dorf war nicht mehr bewohnt und dem Erdboden beinahe gleich gemacht. Es standen nur noch Ruinen dort, alles andere wurde niedergebrannt. Ob sich noch andere überlebende Tieflinge hier verschanzten, wussten die Jungen nicht genau, aber sie vermuteten es. Denn ab und zu, wenn sie durch die Straßen schlichen, mit Kapuzenumhängen getarnt, vernahmen sie hie und da Schatten in den alten Häusern.
Um sich ein Überleben zu sichern mussten sie lernen sich selbst zu versorgen und Akmenos fing an sich in der Stadt zu nehmen, was er brauchte. Nur selten nahm er seinen Bruder mit. Er wollte ihn beschützen und vor Ärger fernhalten. Zwei Jahre lebten sie so. Es war nicht einfach, aber sie hatten genug, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren.

In der Stadt hatte sich Akmenos mit seinen siebzehn Jahren bereits einen Namen als Dieb gemacht. Sie nannten ihn den 'schwarzen Blitz'. Er war schnell und geschickt und hatte irgendwann leider das Aufsehen der Obrigkeit auf sich gelenkt. Eines Tages erlaubte er Pelaios mitzukommen in die Stadt und Schmiere zu stehen. Mit seiner Steinschleuder gewappnet ging der kleine Tiefling, der seine Kapuze tief über das Gesicht gezogen hatte, auf das Dach, um dort zu lauern und seinem Bruder im Notfall zur Seite stehen zu können. Er wollte gerade schießen, als ein Mann mit dem
Wappen des Fürsten am Umhang seinen Bruder am Arm festhielt und ihn in eine Seitenstraße zog.

Doch als der Kleinere bemerkte, dass es nicht zu Streitigkeiten kam, sondern die beiden miteinander sprachen, ließ Pelaios die Steinschleuder sinken und beobachtete stattdessen das Geschehen. Es war seltsam und er konnte sich auch keinen Reim daraus machen.
Als er Akmenos darauf ansprach, wich er ihm aus und gab ihm keine richtige Antwort über was der Mann mit ihm gesprochen hat. Meistens sagte er nur: „Wir können froh sein, dass er mich nicht festnehmen lassen hat.“ Irgendetwas war seltsam an der Sache und Pelaios konnte nicht aufhören darüber nachzudenken.
An einem Abend packte der Ältere, mit dem kupferfarbenen Haar, einen großen Beutel auf den Rücken und machte sich aufbruchbereit. „Wozu das ganze Zeug?“, fragte Pelaios verwundert, der gerade ein Stück Brot aß. „Ich habe heute etwas größeres vor. Bleib du hier.“, antwortete er.
Pelaios nickte und ließ ihn ziehen. Seit er ihn in der Stadt mit dem Mann von dem Fürsten sprechen sehen hat, sprach Akmenos kaum noch über seine Pläne. Schnell schlang er sein letztes Stück Brot herunter und wartete noch einen Moment, ehe er seinem Bruder folgte.

4

Als er ihn aufgespürt hatte, sah er ihn zwischen zwei Wachen stehen und vor ihm der Mann mit dem Wappen des Fürsten, mit dem er zuvor schon einmal gesprochen hatten. In Begleitung der bewaffneten Männer gingen sie in ein nobel aussehendes Haus. Mit leisen Schritten folgte ihnen Pelaios. Durch ein Fenster konnte er ein Büro sehen, in dem die Männer an einem Tisch standen.
Doch der junge Tiefling konnte nichts hören. Glücklicherweise hatte ihm sein Bruder gezeigt, wie man Fenster öffnet und er machte sich an dem Fenster des Nebenzimmers zu schaffen. Als er es tatsächlich öffnen konnte, trat er hinein und schlich sich an das Büro heran, um an der Türe zu lauschen. „Ich schwöre mit meinem Leben, dass ich dem Fürst treu ergeben sein werde. Ich schwöre, dass ich für ihn auskundschaften und morden werde. Hiermit lege ich meinen Eid ab und sollte ich ihn jemals brechen, soll mein Kopf zu seinen Füßen liegen.“ Pelaios Augen weiteten sich, als ihm klar
wurde, dass das die Stimme seines Bruders war, die dort sprach. Ohne nachzudenken riss er die Türe auf. „Was tust du denn da?!“ Alle anwesenden drehten sich zu dem Eindringling um und starrten ihn an. „Wer ist das?“, fragte der Mann irritiert und befahl er seinen Wachen: „Tötet ihn!“ Erschrocken riss er die Augen auf, als die beiden Wachen mit erhobenen Schwerten auf ihn zukamen.
„Akmenos!“, schrie der junge Tiefling. Doch sein Bruder wendete das Gesicht von ihm ab und sagte leise: „Es wäre besser, wenn du fliehst.“ Pelaios konnte es nicht fassen und streckte die Hand nach seinem Bruder aus. „Aber...“ Er konnte nicht weiter sprechen. „Verschwinde!“, brüllte Akmenos ihn an und das tat er. Er drehte sich um und rannte so schnell er konnte fort.
Sein Bruder tauchte nie wieder bei ihm auf. Anfangs hatte er noch die Hoffnung, dass er sich das nur eingebildet hatte, aber die Tage gingen dahin und von Akmenos gab es kein Zeichen des Zurückkommens. Er weinte und wusste nicht, was er tun sollte. In seiner Verzweiflung über sein Unglück, seine Herkunft und wie die Leute die Tieflinge behandelten, sägte er sich seine Hörner so weit ab, wie er nur konnte. Es tat weh, aber es ihm das Gefühl, ein bisschen mehr, wie die Menschen zu sein. Doch als die Realität über ihn hereinbrach und ihm bewusst wurde, dass sein großer Bruder ihn im Stich gelassen hatte und es nicht die Schuld seiner Herkunft war, sondern die der Obrigkeit,
packte ihn die Wut. Innerlich brannte er, wie Feuer und über Monate hinweg breitete sich das Inferno in seinem Inneren immer mehr aus. Pelaios fasste einen Entschluss: Er würde die Stadt verlassen, einen anderen Namen annehmen und das Handwerk eines Assasinen erlernen. Wenn er soweit sein würde, würde er ihn, seinen Bruder, finden und dann würde er mit ihm abrechnen.

Die Obrigkeit hatte ihm alles genommen, seine Heimat, seine Eltern und seinen Bruder. Sie haben ihm sein Leben genommen. Er wurde kalt im Herzen und wurde zu dem, zu was ihn alle machten: Ein Dämon.
Er lieferte 'Obscuritas', einer Gruppe von Assassinen, den Beweis, dass er würdig sei, bei
ihnen zu lernen. Und mit seinen dreizehn Jahren nahmen sie ihn auf und brachten ihm alles bei, was er zu wissen brauchte für die dunkle Kunst des Tötens. Seinen ersten Auftrag durfte er bereits nach drei Jahren erledigen und er stellte sich gut an. Das war seine Zukunft. Doch er war noch lange nicht soweit. Dion – so nannte er sich nun – würde seine Kunst perfektionieren müssen, um sich an jenen zu rächen, die ihm alles nahmen.

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Created by Jay prije 4 godine. Last modified by Jay prije 10 mjeseci

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